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Linksjugend

Rede zur Nacht-Tanzdemo

Rede Tanzdemo

#Wetakebackthenight – schwing die Hüfte gegen Rechts!

Liebe Freundinnen und Freunde der gepflegten Tanzdemo, ja ich weiß, Redebeiträge sind immer nervig. Ich muss euch trotzdem sagen: Wir müssen über Nazis reden. Das sollte bei einer Demo unter dem Motto ‚Schwing die Hüfte gegen rechts‘ nicht nur eine Feststellung sein, die man wegtanzen kann, sondern – Liebe Freundinnen und Freunde, eine bittere Wahrheit: Ja, Nazis töten. Und zwar mindestens 196 Mal seit 1996. Und das ist nur die durch die Behörden erfasste Zahl, die Realität wird sehr deutlich darüber liegen.
Liebe Freundinnen und Freunde, wir stehen hier auch an einem relevanten Punkt der Gewalt von Neonazis gegenüber Menschen, die aus nicht definierbaren beziehungsweise eingebildeten Gründen die Diskriminierung von Nazis erfahren mussten. Auch und gerade hier in unserem Bezirk gibt es ein massives Problem mit Nazis.
Ich möchte an dieser Stelle auf das Register Treptow-Köpenick verweisen; ein sehr gutes Projekt, das die Fälle rechtsextremistischer Gewalt aufarbeitet und dokumentiert, ich möchte mich für diese Mühen ausdrücklich bei euch bedanken.
Wenn wir uns die Zahlen nun anschauen, sehen wir, dass es alleine im Jahr 2018 in unserem Bezirk 447 Fälle rechtsextremistischer Gewalt gab. Um es mal deutlich zu machen: Es gibt an jedem Tag mehr als einen einzigen Fall, bei dem ein Mensch aus niederen Beweggründen Opfer rassistisch motivierter Kriminalität wurde – alleine in unserem Bezirk. Wobei es für mich – um es mal ganz ehrlich zu sagen: einigermaßen scheiß egal ist, ob das nun verbale oder körperliche Gewalt war. Für uns muss feststehen: Jeder einzelne Fall dieser vier-hundert-sieben-und-vierzig Fälle ist einer zu viel, und das ist niemals verhandelbar!
Liebe Alle, die ihr hier seid: Wenn wir über Nazis reden, müssen wir auch über die AfD reden. Ja, ich weiß, als Vertreter der Linksjugend in Treptow und Köpenick wirkt das ein bisschen dolle parteiisch. Aber ich stehe trotzdem dazu: Die rechtsextreme Gefahr geht nicht mehr nur von den Idioten von NPD und Dritter Weg und co. aus. Nein, die AfD schafft es, sich selbst zur Alternative zu erklären – und ich frage mal ganz offen: Was soll denn die Alternative dazu sein, Menschen in Not zu helfen – es gibt einfach keine! Es ist kein Verbrechen, auf der Flucht zu sein, aber es muss ein Verbrechen sein, wenn man Menschen in einer solchen Situation alleine lässt. Ich weiß nicht, ob ich beim Reden schreiben auf der Maus ausgerutscht bin wie Beatrix ‚ich will auf Kinder schießen‘ von Strolch, aber ich denke, dass jeder Mensch, der glaubt, Menschenleben zur Verhandlung aussetzen zu können, bei seinem eigenen anfangen sollte.
Wir alle zusammen müssen deutlich machen, dass das Lager der Solidarität zum einen noch da ist. Und zum anderen, dass wir uns immer an die Seite der Schwachen unserer Gesellschaft stellen müssen. Wir können doch nicht als Lösung der Erderwärmung voran bringen, dass unsere soziale Kälte steigt?
Wir müssen aber auch endlich mal eingestehen: Wir machen es uns zu einfach, zu sagen, dass Nazis in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir vermischen damit Wunsch und Wirklichkeit. Es ist eine traurige Wahrheit: Ein zu großer Teil unserer Gesellschaft schafft es nicht, Nazis aus unserer Wirklichkeit auszuschließen. Egal ob beim Mord von Walter Lübcke, bei Combat 18 und rechtsradikalen Gruppierungen in Bundeswehr und Polizei, egal ob NSU oder co: Es gibt keine Einzeltäter mehr. Die rechtsradikalen Morde passieren mit Rückhalt von Teilen der Gesellschaft. Auch bei dem schrecklichen Terroranschlag in Halle in der letzten Woche werden Recherchegruppen von Investigativjournalisten und Antifa die Hintergründe aufdecken, die der Verfassungsschutz gekonnt ignoriert. Ich möchte deswegen ganz deutlich sagen: Danke, liebe Antifa!

Und schon deswegen müssen wir uns immer voran stellen unter dem Spruch ‚Nazis raus‘. Ich weiß, er ist umstritten, weil wer will schon Nazis haben? Dieses Motto muss trotzdem immer unser Leitfaden bleiben: Nazis müssen raus aus Schule und Hörsaal. Sie müssen raus aus Politik und Parlament. Sie müssen raus aus Behörden und Polizei. Und: Und das ist mir ganz besonders wichtig: Wir müssen uns es endlich wieder trauen, Nazis aus unserer weltoffenen, toleranten, bunten und emanzipatorischen Gesellschaft auszuschließen: Keine Toleranz den Intoleranten!
Ich gebe zu, ich war nie ein Fan von Herbert Grönemeyer. Ich weiß auch nicht, wie viele von Euch ihn kennen und ich weiß auch nicht, ob ihr mitbekommen habt, was für einen massiven Shitstorm er abbekommen hat. Er hat sich gegen Rechts ausgesprochen und musste sich anhören, er würde wie Göbbels sprechen. Ein Vorwurf, der an Dummheit nicht zu überbieten ist. Ich möchte deswegen nicht nur zitieren ‚Mensch ist Mensch‘ – und ihr wollt wirklich nicht, dass ich anfange zu singen, sondern: ‚Auch wenn Politiker schwächeln, und das ist in Österreich glaube ich nicht anders als in Deutschland, dann liegt es an uns zu diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat, und wer versucht, so eine Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist Fehl am Platze; diese Gesellschaft ist offen, humanistisch, bietet Menschen Schutz und wir müssen diesen Leuten so schnell wie möglich und ganz ruhig den Spaß daran austreiben: Kein Millimeter nach rechts – KEINEN - EINZIGEN – MILLI – METER – NACH – RECHTS! Und das war so, und das bleibt so!‘ – Vielen Dank!
Nico Rohland Linksjugend Treptow-Köpenick
 


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