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Aus dem Rathaus

Braunes Rauschen

Steffka Ammon mit ihrer Kunstinstallation zur Köpenicker Blutwoche „Gemeinsam. Gegen das Vergessen" vor der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche

Performative Lesung mit Installation zum Gedenken an die Köpenicker Blutwoche

Stefka Ammon ist Künstlerin und stellvertretende Bürgerdeputierte der Fraktion DIE LINKE für Weiterbildung und Kultur. Für den Jahrestag der Köpenicker Blutwoche erstellte sie eine Kunstinstallation: Edith Karge sprach für die Redaktion mit der Künstlerin.

Blättchen: Puppentheater und Köpenicker Blutwoche, das sind auf den ersten Blick unvereinbare Dinge…

Stefka Ammon: Ursprünglich war Puppentheater für Erwachsene! Eine in Wirtshäusern, auf der Straße gespielte Bühnenkunst. Beim großartigen Spiel von Susi Claus findet eine Übertragung zwischen Puppe und Zuschauer*in statt. Obwohl Susi zu sehen ist und man weiß, dass sie die Puppe führt, erwacht dieses Objekt zu einer Persönlichkeit. Die Vergangenheit wird lebendig, in dem die Zuschauenden sie aktiv auf sich und ihre persönliche Gegenwart beziehen.

Bl. Was hat Sie beide bewogen, gerade dieses Thema zu bearbeiten?

St.A.: Wir sind Nachbarinnen und haben festgestellt, dass unser Wissen von den Ereignissen im Juni 1933 eher vage ist. Das von der SA geplante und öffentlich durchgeführte, einwöchige Verbrechen steht in seiner Größe für den Zivilisationsbruch, der in Deutschland begangen wurde und der noch viel schlimmer werden sollte. Die NSDAP hat geradezu getestet, wie weit sie in dieser Gesellschaft gehen kann. In diesem Falle weiter, als sie es selbst gedacht hätte. Und: Nachbarn wurden zu Tätern – eine kleinstädtische Gemeinschaft ist vor den Augen aller kollabiert. Die zivilgesellschaftliche Gegenwehr blieb dabei schwach. Uns selbst ging es bei der Recherche so, dass wir erschrocken waren, wie hauchdünn unsere Zivilisationsstrukturen sind und welche Konse­quenzen das Aussetzen der Bürgerrechte, der Verfassung und moralischer Parameter zeigt. Wir möchten den Zuschauenden einen gedanklichen Raum mit dem Stück anbieten. Bestenfalls stoßen wir ein Nachdenken über die eigene Reaktion auf antidemokratische und auch gewalttätige Tendenzen an. Ducke ich mich weg, wie die meisten Menschen damals oder werde ich aktiv.

Bl. Die drei Spielstätten – der Mellow­park, der Lichtgarten in Alt-Köpenick, das Strandbad Wendenschloss – das sind Orte mit unterschiedlichen Funktionen und sehr unterschiedlichem Charakter.

St.A. Wir haben Orte gewählt, wo gute nachbarschaftliche Beziehungen gelebt werden. Also positive Beispiele von Zivilgesellschaft. Alle diese verschiedenen Betreiber*innen haben sich sehr gern auf unser Experiment eingelassen.

Bl. Ist Ihr „Experiment“ gelungen?

St.A. Wir sind ein bisschen stolz auf uns, dass wir aus Archivdokumenten und Gesprächen mit Nachfahr*innen der Opfer innerhalb kurzer Zeit eine einstündige Formatskizze mit Puppenspiel und Live-Bau einer temporären Denkmalskulptur auf die Beine gestellt haben. Wir werden jetzt Projektförderungen beantragen und hoffen, dass wir das Ergebnis zum 90. Jahrestag der Köpenicker Blutwoche in weiterentwickelter Fassung, an weiteren Orten, vielleicht auch berlinweit einem größeren Publikum zeigen können.

Bl. Dazu viel Erfolg und danke für das Gespräch!


Dieser Artikel erschien zuerst in Aus dem Rathaus vom 05.07.2022

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