Keine Leute, keine Leute… Wie weiter mit den bezirklichen Kultureinrichtungen?

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Bild:Wie geht es weiter mit den Kultureinrichtungen in freier Trägerschaft. Hier das RatzFatz in Schöneweide


Die derzeitige dramatische personelle Situation in den bezirklichen Kultureinrichtungen ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen, sondern ein Prozess, der sich seit Jahren und vorhersehbar vollzieht. Werfen wir dazu einen Blick in die Geschichte. Zu Beginn der 90iger Jahre fuhr das Land Berlin unter Eberhard Diepgen gerade seinen rigiden Kurs des Kaputt-Sparens der Bezirke, dem auch und vor allem der Kulturbetrieb zum Opfer viel. Bisher bei den Bezirksämtern angesiedelte Stellen im Kulturbereich wurden gestrichen, den Einrichtungen drohte die Schließung. Im immerhin löblichen Bestreben, gerade in den Flächenbezirken Treptow und Köpenick so viele Kulturräume wie möglich zu erhalten, wurde die Idee geboren, den Betrieb in die Verantwortung von ehrenamtlich arbeitenden Freien Trägern zu geben, um die Kulturstandorte und damit das kleinteilige, bunte, niederschwellige und bezahlbare Angebot an Kunst und Kultur für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten. Dazu gehören u.a. das RatzFatz, die Kulturküche Bohnsdorf, das heutige Bürgerhaus Grünau das Haus des Kulturbundes in der Ernststraße in Baumschulenweg. Meistens fanden sich in den Trägervereinen die Menschen wieder, die auch schon vorher mit Herzblut ihre Arbeit dort gemacht hatten. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit für die Vereine, über arbeitsmarktpolitische Instrumente (z.B. MAE-Stellen) Mitarbeiterinnen anzustellen und zu finanzieren.

Die Situation heute:

- Die Vereinsmitglieder haben oft 20 Lebensjahre mehr auf dem Buckel und können eben nicht mehr aus einer Mischung von Begeisterung und Selbstausbeutung die Geschicke der Einrichtungen steuern.

- Die Möglichkeiten arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen sind stark reduziert. Das hat Konsequenzen.

Während es also gelang, die Finanzierung der laufenden Kosten wie Miete, Energie, Werterhaltung usw. für den Veranstaltungsbetrieb all die Jahre einigermaßen angemessen durch die Kulturverwaltung über den Bezirkshaushalt zu sichern, stand die Personalsituation nicht im Fokus des Bezirksamtes. Eigentlich war man eher froh, dass sich doch die Träger selbst um ihren personellen Fortbestand zu kümmern hatten.

Gerade das stand im Mittelpunkt der Kritik, als in der BVV Anfang Februar dieses Problem im Zusammenhang mit einer Großen Anfrage zur Zukunft der bezirklichen Kultureinrichtungen debattiert wurde. Der Kulturausschuss wurde kaum informiert oder eingebunden. Die Träger sind mit der Personalfrage überfordert, sie benötigen unbedingt Unterstützung.

Nun werden diese Fragen ganz sicher in den nächsten Sitzungen des Kulturausschusses auf der Tagesordnung stehen. Welche Vorschläge hat das Bezirksamt? Welche Vorstellungen gibt es bei den Freien Trägern? Welche Ideen haben die Mitglieder des Kulturausschusses? Niemand hat hier das Patentrezept. Kurzfristige Lösungen sind nicht in Aussicht, doch die Zeit drängt.

Edith Karge


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom März 2024. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.