Gedenken an NS-Zwangsarbeit - Forderung an Erinnerung im Eierhäuschen

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BezirkeTreptow-Köpenick

Über 30 Jahre hat es gedauert, 16,3 Millionen Euro hat es gekostet – das Eierhäuschen hat wieder geöffnet und Plänterwald einen gentrifizierten Ort mehr. Was viele Menschen nicht wissen: Das über 100 Jahre alte historische Gebäude war Zeit seiner Existenz nicht nur ein Raum des Vergnügens, der Entspannung und der Gemeinschaft: Ab 1943 wurden auf dem Gelände Zwangsarbeiter:innen untergebracht, die – wie überall im nationalsozialistischen Deutschland – unter menschenverachtenden Bedingungen in der deutschen Industrie geschunden wurden. Hier waren es vermutlich die Firmen AEG in Alt-Treptow, Osram und die ­Genschow Waffenfabrik, die von der ­Ausbeutung profitierten. Zahlreiche Zwangs­arbeiter:innen kamen am 3. und 27. Februar 1943 durch alliierte Luftangriffe ums Leben.

Das Lager – bzw. die Lager, vermutlich gab es zwei separate – ist nur ein winziges Fragment der NS-Zwangsarbeit: Allein für unsere Stadt wissen wir heute von mindestens 3000 „Unterkünften“ und rund 500.000 ausgebeuteten Zwangsarbeiter:innen. Eine der wenigen bekannten Quellen über die Hafterfahrungen am Eierhäuschen ist das Tagebuch des niederländischen Zwangsarbeiters Wim Stevens. Er dokumentierte die desaströsen Verhältnisse, wie er aufgrund von Bettwanzen auf einem Tisch und später auf dem nackten Holz seines Bettgestells schlief, er berichtet uns auch von Kälte und Mangelernährung: „Es ist kein Wunder, dass wir hier im Lager Dünnschiss bekommen, bei dem kalten Betonflur und dem halbrohen Kohl und dem ganzen rohen Grünzeug, das es heute Abend schon mal wieder gab.“ (Wim Stevens, S. 64, vom 13. Oktober 1943). Dass wir heute überhaupt etwas zur Geschichte der Zwangsarbeit in Treptow wissen, verdanken wir der persönlichen Initiative des Lokal­historikers für Baumschulenweg, An­dreas Freiberg, dem Bund der Anti­faschist:innen Treptow und auch dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit.

Als konsequent antifaschistische Partei setzt sich Die Linke dafür ein, dass den ehemaligen NS-Zwangsarbeiter:innen überall im Land angemessen gedacht wird, auch am Eierhäuschen. Der Ort befindet sich im Besitz des Landes Berlin und so trägt der Senat, der Millionen für den Umbau locker gemacht hat, auch die Verantwortung zur Umsetzung eines angemessenen Gedenkens. Auf Initiative der Linken, des NS-Dokuzentrums und des BdA Treptow planen wir für den Sommer eine erste Veranstaltung am Eierhäuschen. Das wird aber nur der Startschuss für einen Prozess sein, an dessen Ende eine vollständi­gere Erinnerungskultur im Plänterwald stehen soll.

Katalin Gennburg & Lena Fries


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom März 2024. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.