Feministische Politik bleibt notwendig – jeden Tag im Jahr

blättchen
ArmutDemokratie und BürgerbeteiligungFrauenpolitikGleichstellungInternationalKulturSozialpolitikTreptow-Köpenick

Die reproduzierte Ungleichheit hat Struktur

Der 8. März ist Frauenkampftag, an dem die feministischen Anliegen seit 1911 in den Mittelpunkt gerückt werden. Seitdem haben feministische Kämpfe viel erreicht, unter anderem das allgemeine Wahlrecht für Frauen (in Deutschland ab 1918, in der Schweiz übrigens erst seit 1971) und eine allgemeine gesetzliche Gleichstellung. Diese reicht aber nicht aus, übersetzt sich die formale Rechtsgleichheit aller Bürger:innen im Kapitalismus doch immer wieder in reale ­Ungleichheiten: Aus der bürgerlichen Freiheit, zu tun und lassen was man will, wird für die Superreichen die Freiheit, ihren Kaviar auf einer Luxusyacht zu genießen, während sie für andere bekanntlich die Freiheit ist, unter Brücken zu schlafen.

Die reproduzierte Ungleichheit unter rechtlich Gleichen hat Struktur und sie hat eine Geschlechterdimension. Die Armut hat in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Laut Paritätischem Armutsbericht von 2022 lag die Armutsquote in Deutschland bei 16,9%, das heißt, 14,1 Millionen Menschen leben in Deutschland in Armut. Davon sind Frauen besonders betroffen. Denn Frauen haben oft niedrige Einkommen, sind ­alleinerziehend (Armutsquote hier: 42,3%), arbeiten in Teilzeit, haben Minijobs oder eine kleine Rente. Altersarmut ist überwiegend weiblich, weil viele Frauen während ihrer Erwerbsbiografie längere Pausen einlegen oder nur halbtags arbeiten, um wichtige Sorgearbeit zu leisten. Und selbst wenn Frauen in Vollzeit arbeiten, verdienen sie weniger. Laut statistischem Bundesamt verdienen Frauen hierzulande 19% weniger als ihre männlichen Kollegen – für die gleiche Arbeit. Rechnet man dann noch die im Durchschnitt geringere Wochenarbeitszeit mit ein, so liegt der Gesamtunterschied in den Einkommen bei Frauen um satte 39% niedriger.

Die Linke fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit und eine sanktionsfreie Mindestsicherung für alle Menschen, die vor Armut schützt. Feministische Politik erschöpft sich aber nicht in dem Kampf gegen Geschlechterunterschiede beim Einkommen. Wenn in Berlin das Pinkeln in öffentlichen Toiletten für Frauen Geld kostet, für Männer aber kostenlos ist, dann muss das geändert werden. Die Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat dazu einen entsprechenden Antrag eingebracht (Seite 7). All das zeigt: Feministische Politik mit Herz, Mut und Verstand braucht es nicht nur am 8. März, sondern an jedem Tag im Jahr.

Katalin Gennburg

Die Linke ruft mit zur 8. März-Demonstration auf: 11.30 Uhr Oranienplatz.


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom März 2024. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.