Danke Treptow-Köpenick, für dieses starke Ergebnis!
Kein Grund zur Entwarnung - Anstieg rechtsextremer Vorfälle in Treptow-Köpenick
Seit über 25 Jahren hat die Neonazi-Partei Die Heimat (vormals NPD) ihre Bundesparteizentrale in der Seelenbinderstraße in Köpenick. Nach jahrelangem Mitgliederschwund gab es in diesem Frühjahr zunächst gute Nachrichten: Aufgrund finanzieller Probleme wollte Die Heimat ihre Immobilie in Köpenick verkaufen. Doch dieser Prozess scheint sich hinzuziehen, so dass am 8. August 2026 rund 250 Neonazis ihr von Rechtsrock beschalltes „Sommerfest“ in der Zentrale feiern konnten, wie der Tagesspiegel berichtete. Nach Beschwerden von Anwohner:innen rückte die Polizei vor der Parteizentrale an und nahm einen der Teilnehmer wegen der Verbreitung nationalsozialistischer Parolen fest.
Mit Blick auf die Auszugspläne von Die Heimat könnte man diesen Vorfall als letztes Aufbäumen einer sterbenden Partei einordnen – doch aktuelle Auswertungen zu rechtsextremen Vorfällen in der Hauptstadt geben keinen Anlass zur Entwarnung. Die Berliner Register, die jährlich an sie gemeldete rassistische, extrem rechte Angriffe, Bedrohungen und Propaganda sammeln, prüfen und auswerten, verzeichnen für das Jahr 2025 mit insgesamt 8.286 solcher Fälle einen neuen Höchststand – 2024 waren es noch 7.720.
In der nach Bezirken aufgeteilten Auswertung ist Treptow-Köpenick mit insgesamt 1.238 Vorfällen der traurige Spitzenreiter unter den erfassten Vorkommnissen von 2025. Zudem entspricht diese Zahl einem Zuwachs von über 25 % im Vergleich zum Vorjahr: 2024 waren 976 Vorfälle in Treptow-Köpenick gemeldet worden. Dabei sind vor allem Fälle aus der Kategorie Propaganda – dazu gehören rechtsextreme Aufkleber, Plakate, Transparente, Schriftzüge, Flugblätter – stark gestiegen. Sie machen rund 86 % aller gemeldeten Vorkommnisse von 2025 im Bezirk aus. Doch auch in den anderen Kategorien, zu denen Angriffe, Bedrohungen, Sachbeschädigungen gehören, sind bezirksweit keine Rückgänge zu verzeichnen.
Schon allein die verstärkte Präsenz rechtsextremer Propaganda ist ernstzunehmen, wie der aktuelle Jahresbericht des Registers Treptow-Köpenick hervorhebt: „Hohe Vorfallzahlen im Bereich Propaganda gehen häufig mit einer stärkeren Präsenz organisierter Neonazis im jeweiligen Kiez einher“, heißt es darin.
Auch politisch wächst der rechte Einfluss im Bezirk: Nach den Wahlen im September wird die AfD die zweitgrößte Fraktion nach der Linken in der BVV stellen. Damit darf sie zwei Stadträteposten vorschlagen; bislang war sie nur mit einem im Bezirksamt vertreten. Eine deutliche Zunahme an zweifelhaften Redebeiträgen, Propaganda und offensichtlichem Rassismus aus dem Bezirksparlament ist zu erwarten. Auch in Zukunft darf also das Engagement gegen Rechtsextremismus innerhalb und außerhalb von Treptow-Köpenick nicht abreißen.
Dieser Artikel stammt aus dem “blättchen” vom Oktober 2026. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.
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