Stolpersteine für Berta und Rudolf Ehrlich
Bild: Gegen das Vergessen: Mitglieder der Linken kümmern sich mit Putzaktionen um Stolpersteine. Das erste Foto ist aus der Dörpfeldstraße / Ecke Friedenstraße,das zweite aus der Herrenhausstraße in Johannisthal.
BdA und Linke erinnern an NS-Widerstand des Ehepaars
„Lauf schnell zu Opa Thiele“, konnte Berta Ehrlich noch der zehnjährigen Johanna zurufen, die am 14. Dezember 1939 gerade aus der Schule kam, als die Mutter von der Gestapo abgeholt wurde. Vater Rudolf war da bereits auf seiner Arbeitsstelle verhaftet worden.
Beide gehörten zur kommunistischen Widerstandsgruppe Altglienicke, Bohnsdorf und Adlershof unter der Leitung von Otto Nelte und Willi Gall. Bertas kleiner Laden in der Siedlung war ideal, um Flugblätter zu verteilen, Informationen weiterzuleiten und Gespräche zu führen. Für den KPD-Instrukteur Willi Gall diente das Haus der Ehrlichs in Altglienicke bis zu seiner Festnahme am 14.12.1939 zusammen mit Berta auch als illegaler Treffpunkt und Unterschlupf. Die Faschisten verurteilten das Ehepaar Ehrlich zu 14 bzw. 12 Jahren Zuchthaus. Bertas Leidensweg durch die NS-Haftanstalten begann in der Barnimstraße. Nach anschließender Gefangenschaft im Zuchthaus Cottbus endete er erst mit der Befreiung aus dem Zuchthaus Waldheim im April 1945. Auch Rudolf verbrachte fünfeinhalb Jahre hinter Gefängnismauern, zunächst in Brandenburg, dann in Hameln. Tochter Johanna lebte damals bei Großeltern in Brandenburg – in der Stadt, in der ihr Vater zeitweise eingesperrt war.
Otto Nelte und Willi Gall starben am 25. Juli 1941 unterm Fallbeil in Plötzensee. Ihrer wird mit einer Stele auf dem Friedhof Adlershof gedacht. Unweit davon befindet sich die Neltestraße. Vor 1990 trugen in Altglienicke zwei Schulen die Namen von Rudolf Ehrlich und Willi Gall. An Bertas und Rudolfs aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime und ihren Kampf für eine gerechtere Welt erinnern nun der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow (BdA) und die Linke Treptow-Köpenick mit der Verlegung von zwei Stolpersteinen. Im Beisein von Tochter Dr. Johanna Mauer werden sie in Altglienicke am 13. Dezember 2025 um 12.00 Uhr vor ihrem Haus Schachtelhalmweg 83 in den Gehweg eingelassen.
Monika Seiffert
Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Dezember 2025. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.


