Sommer ohne Eis? - Nicht alle Kinder können es sich leisten. Eine „Millionärssteuer“ könnte das ändern.
Ob mit Waffel oder im Becher, eine oder mehr Kugeln, ob Fruchtsorbet, Nussvariationen oder Klassiker wie Schokolade oder Vanille, das ist Geschmacksfrage – auf eines können sich jedoch vermutlich alle einigen: Das Eis gehört zum Sommer wie das Festessen zu Weihnachten. Für die allermeisten von uns verbinden sich damit nicht nur dringend benötigte Erfrischungen an Hitzetagen, sondern auch schöne Kindheitserinnerungen, am See, nach der Schule bzw. in den Ferien an der Lieblingseisdiele, vielleicht sogar auf Reisen.
Doch zur Wahrheit gehört auch: für viele Kinder in Treptow-Köpenick ist ein unbeschwertes Eis an der Eisdiele um die Ecke einfach nicht drin, weil sie in Armut leben. Hier im Bezirk leben aktuell 5.700 Kinder im Alter zwischen 3 und 15 Jahren in einem Haushalt, der sich über das in Bürgergeld umbenannte Arbeitslosengeld II („Hartz 4“) finanziert. Dort sind im Regelsatz für Kinder je nach Alter in etwa zwischen 104,94 und 138,60 Euro im Monat für Ernährung vorgesehen. Das sind 3,50-4,62 Euro pro Tag für alle drei Mahlzeiten, Getränke und ggf. hin und wieder ein paar Süßigkeiten. Zum Vergleich: eine Kugel Eis kostet beispielsweise im Forum Köpenick 2,00 Euro, am Sterndamm in Johannisthal sind es 1,60 Euro, im Ausflugslokal Zenner im Treptower Park 2,10 Euro für eine Kugel. Mit anderen Worten: das unbeschwerte Glück einer leckeren Portion Eis an der Eisdiele nebenan wird diesen Kindern verwehrt, jedenfalls wenn das nicht die einzige Mahlzeit am Tag sein soll. Das ist ein täglicher Skandal, den DIE LINKE nicht akzeptiert. Kinder brauchen gute Bildung, warme Kleidung, sollen Sport machen und kulturelle Bildung genießen können und brauchen dazu eine auskömmliche Finanzierung, aber vor allem hat jedes einzelne von ihnen das Recht auf eine glückliche Kindheit und ein paar schöne, unbeschwerte Sommermomente – hin und wieder ein Eis gehört dazu. DIE LINKE kämpft schon lange für eine Kindergrundsicherung, damit kein Kind in Armut aufwachsen muss. Die Ampel schrieb die Idee sogar in den Koalitionsvertrag. Doch Finanzminister Lindner (FDP) senkte erst Steuern für Gutverdienende und blockierte dann die Finanzierung der Kindergrundsicherung, die Grünen lassen es mit sich machen. Ergebnis: Die bisherigen Vorschläge sind völlig unzureichend. Und so stehen auch in diesem Sommer nur jene in den Schlangen der Eisdielen, die es sich leisten können. Klar ist: es gäbe genügend Geld in diesem Land, um eine armutsfeste Mindestsicherung für alle zu finanzieren. In Deutschland gibt es 1.612 Milliardäre. Um sich eine Vorstellung von diesem Reichtum zu machen: Hätte eine Person mit einer Milliarde Euro im Jahr von Jesus Geburt, im Jahr 0, damit angefangen jeden Tag 1.000 Euro auszugeben, dann würde sie bis ins Jahr 2739 brauchen, bis ihr Geld aufgebraucht wäre. Dieses Vermögen könnte mit einer Vermögensteuer gerecht besteuert werden. DIE LINKE schlägt vor: Vermögen oberhalb von 1 Millionen Euro wird mit 1 Prozent besteuert. Bis zu einem Nettovermögen von 50 Millionen steigt der Satz auf 5 Prozent an. Für ein gutes Leben für alle, mit kleinen Momenten des Glücks, nicht nur im Sommer.
Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Juli 2023. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Das Blättchen gibt es auch als Abo im Newsletter

