„Solidarität ist stärker als Hass“ - Interview mit Moritz Warnke über „Apollo News“

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„Apollo News“ ist eine rechte Medienplattform, deren Redaktion im Ortsteil Alt-Treptow sitzt. Ende September gab es eine Informationsveranstaltung im Kiez zu dieser Publikation, woraufhin ein von einschlägigen Medien befeuerter Shitstorm folgte. Hierzu ein Gespräch mit Bezirksvorsitzendem Moritz Warnke:

Wie kam es zu der Veranstaltung zu „Apollo News“?

Die Nachbarschaft hat das Thema an uns herangetragen, unter anderem bei einer Kiezversammlung. „Apollo News“ ist ja ein kleiner Laden, aber eng vernetzt mit anderen rechten Medien. Bei der Kampagne gegen die Verfassungsrichterkandidatin Brosius-Gersdorf etwa brachte „Apollo News“ den Stein mit grob verzerrenden Behauptungen ins Rollen. Andere rechte Online-Medien haben das sehr schnell aufgenommen.

Wie lief die Veranstaltung Ende September ab?

Eine Expertin der Amadeu-Antonio-Stiftung sprach zu neurechten Medien, ihrer Arbeits- und Wirkungsweise. In der Diskussion ging es darum, wie wir uns dazu verhalten können, welche demokratischen Widerstandsformen es gibt. Dass viele Nachbar:innen sich nicht wohl fühlen mit diesem Medium, zeigte die tolle Resonanz: Obwohl wir nur kurzfristig vor Ort Flyer verteilt haben, war es übervoll.

Nach der Veranstaltung behauptete „Apollo News“, es habe einen Gewaltaufruf gegeben. Ist da was dran?

Der Gewaltaufruf ist frei erfunden. Eine Masche der extremen Rechten ist ja ihre Weinerlichkeit. Werden sie kritisiert, präsentieren sie sich als Opfer, die ihre Meinung nicht sagen dürfen. Die Opfermasche soll Eindruck machen, zum Beispiel bei Journalisten aus dem rechtsliberalen Lager. Die horchen auf, wenn angeblich die Pressefreiheit bedroht wird. Aber bei der Weinerlichkeit bleibt es leider nicht.

Nein?

Die verzerrenden Berichte zielen auch auf die Mobilisierung der Faschist:innen im Netz. Der Shitstorm soll kritische Geister zum Schweigen bringen. Ob es um eine Richterkandidatin geht, einen Buchverlag oder NGOs, die Botschaft ist: Es kann jeden treffen, der dem rechten Internetmob und seinen Verbündeten im Parlament und in Redaktionsräumen zu links ist. Der diskursive Rufmord und die anonyme Morddrohung gehen dabei Hand in Hand. In diesem Fall richtete sich der Hass gegen Die Linke und auch gegen mich persönlich, teils sogar gegen meine Familie. Zudem geriet der Veranstaltungsort in den Fokus, eine Kneipe in Alt-Treptow. Unser Gast auf dem Podium erhielt Morddrohungen.

Wie war der Umgang damit?

Es gab so viel Solidarität – in der Partei und aus dem Kiez. Das ist extrem wichtig, denn Solidarität ist stärker als Hass. Politisch ist die Sache eh klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wer den Mob auf Queere, Migrant:innen, Linke oder kritische Journalist:innen hetzt, kann von Antifaschist:innen keine freundliche Ansprache erwarten.


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Dezember 2025. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

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