Journalistenporträt und Geschichtsstunde

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Filmtipp zur Doku Cover-Up

Zuletzt war der Name Seymour Hersh hierzulande im Umlauf, als der Journalist 2023 das Ergebnis seiner Recherchen zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines veröffentlichte und damit für Aufsehen sorgte. Doch dass Hersh trotz begründeter Zweifeln an seinem Bericht jede Menge Respekt verdient hat, zeigt der auf Netflix veröffentliche Dokumentarfilm Cover-Up.

Laura Poitras, Regisseurin der Doku Citizenfour (2014) über Whistleblower Edward Snowden, und Mark Obenhaus zeichnen in Cover-Up einige von Hershs journalistischen Glanzleistungen nach: angefangen bei seiner Enthüllung über das von US-Soldaten verübte Mỹ Lai-Massaker während des Vietnamkriegs 1968 über die Bekanntmachung haarsträubender CIA-Machenschaften im In- und Ausland bis hin zu seinem 2004 veröffentlichten Bericht über die Folterpraktiken im Abu-Ghuraib-Gefängnis während des Irak-Kriegs. Dafür erhielten Poitras und Obenhaus Zugang zu Hershs umfänglichem Dokumentenarchiv sowie dem Reporter selbst, der in Cover-Up ausführlich zu Wort kommt, aber auch kritisch zu seinen Recherchemethoden befragt wird. Dabei formt sich nicht nur ein eindrückliches Porträt über diesen weiterhin umtriebigen Investigativjournalisten, sondern auch über eine von Geheimplänen, Vertuschungen und eine Kultur der Gewalt geprägten US-Geschichte. Cover-Up belegt damit, welch hoher Stellenwert aufrechtem Journalismus bei der Verteidigung der Demokratie zukommt.

Autorin: Dobrila Kontić


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Februar 2026. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

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