Gysi meint ... Ungerechte Aktivrente

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Das Bundeskabinett hat die Aktivrente verabschiedet und suggeriert, damit bei der Lösung der Probleme der Rentenversicherung einen großen Schritt zu gehen. Doch so lukrativ der monatliche Steuerfreibetrag von 2000 Euro für Ältere erscheint, die ihren Beruf auch noch nach dem Erreichen des Renteneintrittsalters ausüben wollen und können, ist es dennoch von einer sozial gerechten Rentenreform weit entfernt. Denn die Aktivrente ändert nichts daran, dass viele Rentnerinnen und Rentner, vor allem Frauen und vor allem im Osten, eine zu geringe Rente haben und immer mehr Ältere zusätzlich auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sind. Ende 2024 waren 1,26 Millionen von letzterem betroffen, über 4 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor, während die Bundesregierung selbst davon ausgeht, dass nur 168.000 Menschen die Aktivrente überhaupt in Anspruch nehmen werden.

Das ist auch kein Wunder, denn welche Pflegekraft, welcher Bauarbeiter schafft es überhaupt bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter und hat eine Möglichkeit, die Aktivrente in Anspruch zu nehmen? Dass Selbständigen auch dann diese Möglichkeit der Steuerfreiheit verwehrt wird, wenn sie freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, macht die Ungerechtigkeit dieses Modells ebenfalls deutlich. Wir brauchen endlich eine Rentenreform, die sozial gerecht ist und dafür sorgt, dass das Rentenniveau nicht weiter sinkt und das Renteneintrittsalter nicht weiter steigt. Berater der Bundesregierung fordern jetzt schon, dass man erst mit 73 in Rente gehen darf. Wenn alle mit Erwerbseinkommen in die gesetzliche Rente einzahlten, auch Politiker, Anwälte und schrittweise die Beamtinnen und Beamten, wenn der Rentenanstieg für Menschen mit sehr hohen Einkommen solidarisch abgeflacht, die Beitragsbemessungsgrenze mindestens verdoppelt und eine Mindestrente von 1.400 Euro eingeführt werden würde, dann wäre die Rente nicht nur sicher, sondern auch armutsfest.


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Dezember 2025. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

 

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