Eralp wird Bürgermeisterkandidatin der Linken - Kampf ums Rote Rathaus eröffnet

blättchen

Für die nächste Abgeordnetenhauswahl im September 2026 hat Die Linke Elif Eralp als Bürgermeisterkandidatin aufgestellt. Eralp erhielt breite Unterstützung auf dem Landesparteitag. Aktuell steht Die Linke in den Umfragen auf dem zweiten Platz, deutlich vor SPD und Grünen. Damit ist mit einem Zweikampf ums Rote Rathaus zu rechnen: Elif Eralp gegen Kai Wegner. Eralp machte als neue Bürgermeisterkandidatin in ihrer Rede deutlich, dass sie nicht „Politik für linke Menschen, sondern linke Politik für alle Menschen“ machen wolle. Im Zentrum stehe ein bezahlbares Leben für alle Menschen in der Stadt. Eralp sitzt seit 2016 im Abgeordnetenhaus für Die Linke und steht für eine neue Generation – für sie ist der Kampf für bezahlbare Mieten und ein bezahlbares Leben kein Widerspruch zu einer konsequenten Parteinahme gegen Rassismus und für Menschen- und Bürgerrechte. Die 44-jährige Juristin hatte seinerzeit Anteil am Zustandekommen des Berliner Mietendeckels. In ihrer Rede vor den Delegierten wurde sie auch persönlich: Sie habe bereits als 12-Jährige die Entscheidung getroffen, Jura zu studieren, um dann Menschenrechtsanwältin zu werden. Sie selbst sei Einwanderer-Kind, ihre Eltern mussten einst aus der Türkei fliehen, weil sie dort wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten verfolgt wurden.

Die Linke präsentierte sich auf dem Parteitag geschlossen – auch mit einem sehr breit getragenen Antrag zum Nahostkonflikt unter dem Titel „Berlin verbindet – Solidarität über Grenzen hinweg“. Viele in der Partei machen sich Hoffnung, dass es – ähnlich wie zuletzt in New York mit dem sozialistischen Kandidaten Zohran Mamdani – gelingen kann, das Bürgermeisteramt von links zu erobern. Die Chancen darauf stehen in der Tat nicht schlecht, auch weil Wegners Probleme derzeit größer werden.

„Wichtiges Signal an die Republik“

Kai Wegner möchte das Amt als Regierender Bürgermeister im nächsten Jahr unbedingt verteidigen, dabei steht sein Senat aber wegen der massiven Kürzungspolitik über nahezu alle Politikbereiche in der Kritik. Gekürzt wird bei zahlreichen sozialen Trägern, der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch bei wichtigen Infrastrukturvorhaben.

Zudem steht seine CDU aktuell mit einem Spendenskandal rund um fragwürdige Geldzahlungen beim Haushaltstitel der Antisemitismusbekämpfung in den Schlagzeilen. Linke und Grüne haben bereits einen Untersuchungsausschuss beantragt. Dabei geht es um den Vorwurf, dass Gelder aus dem Landeshaushalt durch Druck aus der CDU-Fraktion auf den CDU-Kultursenator gegen die expliziten Warnungen der Verwaltungsmitarbeiter ausgezahlt worden sein sollen – und zwar zugunsten von teils dubiosen Vereinen, die von Vertrauten, Vorstandskollegen und teils sogar Mitarbeitern geführt werden und deren Engagement gegen Antisemitismus jedenfalls für die Vergangenheit nicht oder kaum dokumentiert war. Einer der Vereine soll einer Berliner Immobilienfirma zugeordnet sein. Damit würden Wegner möglicherweise frühere Verstrickungen der Berliner CDU in den Berliner Baufilz einholen. Die Berliner CDU hatte sich in diesem Gebiet gerade von der öffentlichen Diskussion um eine Großspende von einem der Berliner „Baulöwen“ Christoph Gröner erholt. Gröner hatte nach dem Verdacht eines Zusammenhangs seiner Großspende mit dem Engagement der CDU gegen den Berliner Mietendeckel öffentlich erklärt, es habe im Zusammenhang mit dieser Spende tatsächlich Vereinbarungen über konkrete Gegenleistungen der Berliner CDU gegeben.

Auch die angedachten Sozialkürzungen auf Bundesebene machen es für die CDU nicht leichter. Auf dem Parteitag der Linken berichtete Katalin Gennburg, Sprecherin der Berliner Landesgruppe der Linksfraktion im Bundestag, der Angriff auf den Sozialstaat der Merz-CDU werde im Parlament auf den entschlossenen Widerstand der Linken treffen. Der Bundestag werde von Merz aktuell zur „Arena der Grausamkeiten gemacht“, SPD und CDU legten die Axt an den Sozialstaat. Deshalb werde man „von Berlin aus mit der roten Metropole ein wichtiges Signal in die Republik senden.“ Mit Blick auf die aktuelle Rentendebatte fordere Die Linke eine „Renten-Revolution“ bei der auch Selbstständige, Beamt:innen, Politiker:innen und Manager:innen voll in die Rentenkasse einzahlen.


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Dezember 2025. Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden. Beide Zeitungen gibt es auch als kostenloses Abo.

 

Verwandte Nachrichten