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Foto: Elias Hildebrand

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Diese unpolitische Jugend

Solidarität mit den Klimastreikenden

Unter dem Motto „Fridays for future“, also „Freitags für die Zukunft“ gehen seit Wochen junge Menschen auf die Straße. In der Zeit, in der sie in der Schule sein sollten.

Reaktionär-konservative und selbsterklärte besorgte Bürger sehen das als mittelschweren Skandal an (man könne ja auch samstags demonstrieren), das ist aber nichts weiter als eine riesige Nebelkerze. Jahrzehnte lang wurde die Bildung kaputt gespart, die „Zeit“ berechnete, dass im Schuljahr 2016/17 circa 5,2% des gesamten Unterrichts ausgefallen sind. Hat keinen von denen interessiert. Doch als ich dachte, den stupidesten Versuch, sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen, gesehen zu haben, meldete sich Christian Lindner zu Wort. Der Vorsitzende der FDP, die 2017 mit dem Plakat „Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer“, zur Bundestagswahl angetreten ist, erklärte, man solle den Klimaschutz doch den „Profis“ überlassen. Welch eine kognitive Nullleistung, in der Schule würde man sagen: Thema verfehlt, Note 6.

Das wiederum haben mittlerweile über 23.000 Profis aus der Wissenschaft nicht auf sich sitzen lassen und ihre Solidarität mit den Klimastreikenden ­erklärt. Und gleich noch einen Forderungs- und Faktenkatalog nachge­scho­ben, der wie selbstverständlich ignoriert wird.

Diese Jugend wehrt sich, weil sie anders nicht mehr kann. Uns wird eine zerstörte Erde hinterlassen – und wenn diese Jugend an der Macht sein könnte, ist schon nichts mehr zu retten. Doch die Politik handelt an internationalen Abkommen und dem „gesunden Menschenverstand“ (Andi Scheuer) vorbei. Der Klimawandel muss jetzt bekämpft werden. Es ist in der seriösen Wissenschaft mittlerweile unumstritten: Der Klimawandel ist zum allergrößten Teil menschengemacht. Also sind wir auch diejenigen, die ihn aufhalten können. Also eher könnten. Wir Menschen brauchen diese Erde. Die Erde braucht uns Menschen nicht.

Diese Jugend lernt, außerhalb der Schule gerade für das Leben. Und all das, was ihnen aus der Bundesregierung entgegenschlägt, lässt sich so zusammenfassen: Dieser Jugend wird Politikverdrossenheit anerzogen. Ein Bärendienst für unsere Demokratie.

Doch auch wir alle sollten an dieser Stelle mal reflektieren: Wie gehen wir mit jungen Menschen um – Menschen, die zum Beispiel nicht die gesamte Historie der Sowjetunion im Kopf haben? Die ein kritisches Bild werfen, auf die Vergangenheit der DDR? Wie gehen wir mit Menschen um, die sich politisch noch nicht festgelegt haben? Und zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Strukturen. In den BOen, am Stand. Im Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis? Was ist geworden aus „handle nur so, wie du auch von anderen behandelt werden willst“, wie man es in der ersten Klasse lernt? Wo verläuft sie, die schmale Grenze zwischen erklären und belehren? Halten wir uns an das Motto „Aufklären statt Verbieten“ – das auch und gerade für eigene Gedankengänge gelten soll?

Nico Rohland,
Mitglied des Bezirksvorstands.
Einer dieser politischen Jugend.


 


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