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Brauner Terror in Köpenick - Köpenicker Blutwoche jährt sich zum 90. Mal

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In wenigen Wochen jährt sich die Köpenicker Blutwoche zum 90. Mal. In den vergangenen Monaten haben sich die Bildhauerin Stefka Ammon und die Puppenspielkünstlerin Susi Claus intensiv mit Recherchen und künstlerischer Umsetzung auseinandergesetzt. Entstanden ist eine spartenübergreifende Inszenierung für Jugendliche und Erwachsene mit dem Titel „Wenn alles auseinanderfällt“. In der Gedenkwoche wird diese im ABC Hirschgarten uraufgeführt.

Im Juni 1933 wurden Hunderte Menschen in Köpenick von der Straße weg oder aus ihren Wohnungen entführt und tagelang gefoltert – es gab weit über 20 Todesopfer. Überall in Deutschland fanden zu Beginn des sogenannten Gleichschaltungsprozesses des NS-Staates Gewalt-Exzesse statt. Es gab kaum zivile Gegenwehr, Polizei und Justiz konnten die Opfer nicht schützen oder wollten es in Teilen schon nicht mehr. Nachbarn wurden zu Opfern und zu Tätern. Dieser öffentlich sichtbare eskalierende Terror setzte der pluralen Gesellschaft der Weimarer Republik ein brutales Ende.

Heute werden wir von immer offener auftretenden rechten Netzwerken unter Druck gesetzt. Rechtes Gedankengut ist in zunehmendem Maße präsent und beeinflusst gesellschaftliche Diskurse in seinem Sinne. Der Frühsommer 1933 ist näher an unserer gegenwärtigen Situation, als Nazi-Deutschland ab der zweiten Hälfte der 1930er Jahre.

Was ist damals geschehen, wie erinnern wir und was bedeuten die dramatischen Tage vom Juni 1933 für uns heute? Was geschah mit den Angehörigen der entführten, gefolterten und ermordeten Nachbarn, was mit den Ehefrauen, Müttern, Freundinnen, Geschwistern, deren Namen nirgendwo genannt werden? Wie wirkt der Schrecken bis heute, bis in die 4. Generation nach?

Anhand von Dokumenten aus dem Köpenicker und Landesarchiv Berlin, Zeitzeugenberichten und nach eigenen Gesprächen mit Nachfahr*innen der Opfer haben Ammon und Claus diese performative Inszenierung erarbeitet. Regie führt Astrid Endruweit, die Puppen stammen aus der Werkstatt Judith Mählers. Im Anschluß an die ersten Pro­beaufführungen im vergangenen Jahr, die an Orten nachbarschaftlichen Mit­einanders organisiert wurden (Mellowpark, Lichtgarten Altstadt-Köpenick und Strandbar Wendenschloss), begann im Publikum eine rege Diskussion auf den Ebenen der eigenen Familiengeschichte und der Situation heute.

WENN ALLES AUSEINANDERFÄLLT, Szenische Lesung mit Puppen und performativer Installation zum SA-Terror der Köpenicker Blutwoche 1933. Für Jugendliche und Erwachsene. Ein Projekt von Stefka Ammon & Susi Claus, Puppenbau: Judith Mähler, Regie: Astrid Endruweit

Aufführungsort: ABC-Hirschgarten, Hirschgartenstraße 14,

12555 Berlin-Köpenick

S3 Hirschgarten, Tram 60, 61,

Bus 169 Brandenburgplatz

Vorstellungen: Dienstag, 20. Juni 10 Uhr, Donnerstag, 22. Juni 10 Uhr, Freitag, 23. Juni 10 und 20 Uhr und Samstag, 24. Juni, 20 Uhr, Dauer ca. 60 Minuten, ­keine Pause. Nach dem Stück werden Gespräche mit den Künstlerinnen ­angeboten.

Eintritt: 10 EUR Erwachsene, ermäßigt
7 EUR; Buchung Tickets: 030 6516516 oder info@schlossplatztheater.de


Dieser Artikel stammt aus dem blättchen vom Juni 2023.  Die Zeitungen des Bezirksvorstandes und der Fraktion können hier runtergeladen werden.

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