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blättchen

Mehrfachbelastung

Als Alleinerziehende in Pflegeberufen

In der Corona-Krise sind häufig gerade alleinerziehende Frauen durch die bekannte Doppelbelastung besonders betroffen. Das wurde auch in einem Gespräch deutlich, das die blättchen-Redaktion mit Steffi (33), Gesundheits- und Krankenpflegerin, engagiert bei den Jungen Linken, führte.

Wie erlebst du die aktuelle Situation?

Die „Situation“ dauert ja nun schon einige Wochen an. Mein Leben davor: 33h-Woche auf einer Normalstation im Krankenhaus, meine Tochter lebte bis auf zwei Wochenenden im Monat bei mir, Freunde und Familie trafen wir regelmäßig, an kindfreien Wochenenden standen häufig Konzerte auf dem Plan. Unser Leben jetzt: die Normalstation ist jetzt eine Station für Corona-Verdachtsfälle, meine Tochter war im April zu 50% nicht bei mir, Freunde und Familie sehen wir, wenn überhaupt möglich, nur im Video-Chat und jegliche Freizeitaktivitäten um mal den Kopf frei zu bekommen sind gestrichen. Das ist für alle eine herausfordernde und häufig belastende Situation. Meine Tochter leidet unter der langen Trennung, ich versuche an den Tagen, die sie weg ist, zu arbeiten, um abgelenkt zu sein. Allerdings lauert dort ja ständig die Angst, sich anzustecken, und zu viele Dienste am Stück stellen eine weitere psychische Belastung dar. Ihr fehlen natürlich soziale Kontakte noch viel mehr als mir. Ich habe wenigstens meine Kollegen. Sie pendelt nur zwischen mir und ihrem Vater. Womöglich gibt es keine reguläre Kitabetreuung bis zum Sommer. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, welche Auswirkung das auf die Kinder hat, die dann in die Schule kommen und dort ganz anderen, neuen Erwartungen gerecht werden müssen...

Was belastet dich gerade ­besonders?

Die Trennung von meinem Partner. Wir leben in verschiedenen Städten, er ­ar­beitet in einem Pflegeheim. Zum Schutz unserer Kinder und seiner Bewohner*innen haben wir uns also seit Wochen nicht gesehen.

Was wäre dir gerade besonders wichtig?

Mir ist gerade wichtig, meiner Tochter trotz allem Stabilität und emotionale Sicherheit zu geben. Ihr zu helfen, das alles zu verstehen. Ich versuche, den ­Kontakt zu unseren wichtigsten Bezugspersonen trotz allem aufrecht zu erhalten, auch wenn all das Telefonieren und Schreiben auf Dauer auch anstrengend sein kann... Auf Arbeit bemühen wir uns, uns gegenseitig Kraft zu geben und unseren Patient*innen Mut zu machen, die meisten sind ja zum Glück anderweitig erkrankt und der Verdacht bestätigt sich nicht.

Welche Sichtweise fehlt dir gerade in der (gesellschaftlichen) Diskussion?

Ich finde es toll, dass die Situation bestimmter Berufsgruppen gerade so stark diskutiert wird und überlegt wird, wie diese künftig gestärkt werden können (Pflege, Einzelhandel, etc.). Aber jetzt gerade sind wir ja die, die keine Existenzängste haben müssen. Und ich habe gelegentlich das Gefühl, über diejenigen, die gerade ohne Lohn zuhause sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll, wird hinweggedacht. Jedenfalls in nicht-politischen Kontexten.

Bezüglich der Kinderbetreuung verstehe ich die Vorsichtsmaßnahmen. Aber was das mit den Kindern macht und dass die meisten Eltern kaum in der Lage sein dürften, den Ausfall zu kompensieren, das wird eher wenig thematisiert.

Welche Hilfe / Unterstützung würdest du gerade benötigen?

Ich persönlich befinde mich in einer Situation, die es mir erlaubt, alles so zu organisieren, dass ich weiterarbeiten kann. Die Kita stellt Elternbriefe zur ­Verfügung mit Ideen zur Beschäftigung bzw. Hilfestellung, um die Situation kindgerecht zu erklären.

Ich kenne aber andere Mütter, die keine Betreuung für ihr Kind haben und daher zuhause bleiben müssen. Weil z.B. die Tagesmutter keine Notbetreuung anbietet. Oder Mütter, die mit mehreren sehr kleinen Kindern zuhause sind und dabei selbst ständig an ihre psychischen Grenzen kommen. Hier hätte das Notbetreuungskonzept vielleicht anders aufgestellt bzw. Alternativen gefunden werden können.

Welchen besonderen Heraus­forderungen stehst du als Mutter gegenüber, die viele andere nicht bewältigen müssen?

Das war vor allem am Anfang eine organisatorische Herausforderung. Da meine Eltern zur Risikogruppe gehören, waren sie mit Eröffnung der neuen Station bei der Betreuung meiner Tochter nicht mehr dabei. Sie pendelt also nur noch zwischen ihrem Vater und mir. Zu Beginn gab es die Notbetreuung in der Kita nur, wenn beide Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Also verbrachte sie sehr viel mehr Zeit als sonst bei ihm. Für mich vor allem emotional schwierig.

Ich merke ihr sehr an, dass ihr ihre Freunde und der Kitaalltag fehlen. Sie benötigt viel mehr Nähe, nimmt Strukturen schlechter an, als gewöhnlich. Daran muss ich mich gewöhnen und Wege finden, das Fehlende auszugleichen. Ohne pädagogischen Background und mit meinen eigenen Problemen und Bedürfnissen gepaart, nicht immer einfach. Ab kommender Woche wird sie zumindest die Tage, die ich arbeite, wieder in der Kita verbringen. Ich hoffe, das wirkt sich entspannend auf die Situation aus. Aktuell hält sie von der Idee nämlich nichts.

Was wünschst du dir für die Zukunft (auch von Politik, Wirtschaft)?

Schwierige Frage. Ich denke grundsätzlich, dass Veränderungen nur passieren, wenn wir selbst etwas dafür tun. Ich denke, es wurden jetzt an vielen Stellen Missstände aufgedeckt und ich würde mir wünschen, dass die zuständigen Stellen auf den entsprechenden Ebenen sich damit auseinandersetzen, wie diese langfristig beseitigt werden können. Dazu ist es sicher sinnvoll, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die direkt betroffen sind. Das kann zum Beispiel im Rahmen von Befragungen, Besuchen von Einrichtungen oder über die Gewerkschaften passieren. Aber wichtig ist, uns einzubeziehen und nicht nur über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden.

Das gilt natürlich nicht nur für Pflegeberufe. Auch Alleinerziehende müssten sich besser vernetzen und politisch engagieren, um die Situation für sich und ihre Kinder zu verbessern. Vor allem unter Eltern wünsche ich mir mehr Miteinander (auf ganz persönlicher Ebene). Wir (Eltern) müssen es uns nicht noch gegenseitig schwer machen.


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