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Der 8. Mai steht für eine historische Zäsur, für die Befreiung vom Nationalsozialismus und den Beginn des Wieder- und Neuaufbaus

Rede des Fraktionsvorsitzenden der Linksfraktion in der BVV am 25.03.2010 zur Begründung des interfraktionellen Antrages zum 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus

Rede des Fraktionsvorsitzenden der Linksfraktion in der BVV am 25.03.2010 zur Begründung des interfraktionellen Antrages zum 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus

 

 

Herr Vorsteher, meine Damen und Herren,

mit dem Sieg der alliierten Streitkräfte, der durch den Einzug der Roten Armee in Berlin vollendet wurde, und der darauf folgenden bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 wurde Deutschland von der mehr als zwölf Jahre andauernden nationalsozialistischen Herrschaft befreit.


Von Beginn an gründete sich diese auf Gewalt und Unterdrückung. Die Ereignisse der „Köpenicker Blutwoche“ waren ein früher Exzess gegen politische Gegnerinnen und Gegner hier im Bezirk. Der Nationalsozialismus mündete im Zweiten Weltkrieg, der rund 50 Millionen Menschen das Leben kostete und für andere Flucht und Vertreibung bedeutete. Geiselerschießungen, die Beteiligung am Völkermord, die Bombardierung europäischer Städte, die Ausbeutung und Plünderung der besetzten Länder, die Versklavung von Millionen Menschen zur Zwangsarbeit, eine Politik der verbrannten Erde und die menschenverachtende Behandlung von insbesondere osteuropäischen Kriegsgefangenen kennzeichneten die rücksichtlose und erbarmungslose deutsche Kriegsführung. Das Bild der sauberen Wehrmacht ist widerlegt.

Im Schatten der Front wütete die Shoa, der etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden und Sinti und Roma in einem historisch singulären industriell durchgeführten Völkermord zum Opfer fielen. In den Konzentrationslagern starben zudem Tausende Kommunistinnen und Kommunisten, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Homosexuelle, religiös Verfolgte und Kriegsgefangene.


Herr Vorsteher, meine Damen und Herren,

auch die Vokabel „Befreiung“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Soldaten der alliierten Streitkräfte nicht mit Blumen empfangen worden sind. Der von Deutschland entfesselte Krieg schlug brutal auf die deutsche Bevölkerung zurück. Die Folgen waren Zerstörungen vieler deutscher Städte, der Verlust von Heimat, die Teilung des Landes, unzählige Vergewaltigungen, Krankheiten und Hunger. Deshalb ist dieser Tag für Menschen, die ihn erlebt haben, auch untrennbar mit dem Verlust von Angehörigen und persönlichem Leid verbunden. Wir werden rechtsextremen Kräften nicht den Gefallen tun, es ihnen zu überlassen, dieser Trauer exklusiv Ausdruck zu verleihen. Nur ebenso wenig werden es akzeptieren, wenn Ursache und Wirkung verkehrt werden.

Ab Ende April 1945 waren schrittweise die Ortsteile von Treptow und Köpenick von der vorrückenden Roten Armee in verlustreichen Kämpfen eingenommen worden. An die Befreiung erinnern Veranstaltungen der Ortsgruppen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten am 23. April um 17 Uhr auf dem Platz des 23. April, und am 8. Mai um 17 Uhr am Treptower Ehrenmal und weitere Gedenkstunden von Bürgervereinen, so am 24. April um 10 Uhr auf dem Platz der Befreiung in Adlershof. Wir rufen gemeinsam zur Beteiligung daran auf.


Herr Vorsteher, meine Damen und Herren,

der 8. Mai steht für eine historische Zäsur, für die Befreiung vom Nationalsozialismus und den Beginn des Wieder- und Neuaufbaus.

Wir wollen dieses Datum auch als Aufgabe verstehen, die Zukunft friedlich zu gestalten, frei von menschenverachtenden Konzepten, die durch Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie das Gegeneinander von Menschen heraufbeschwören und die die Lösung von realen Problemen darin sehen, Schwache gegen Schwache aufzuhetzen.


Ich bitte Sie um Zustimmung zum vorliegenden Antrag!

 

Philipp Wohlfeil

Vorsitzender der Linksfraktion

 

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