Seit vielen Jahren hängt in seinem Adlershofer Wohnzimmer ein großes Bild. Es zeigt das Treptower Rathaus, in dem er in den 60iger und 70iger Jahren als Bürgermeister agierte, viel mit und für die Einwohner des Bezirks erreichte, kommunalpolitisch Zeichen setzte und Veränderungen bewirkte. Die, die sein leidenschaftliches Wirken miterlebten, haben das nie vergessen, was sicher an seiner charismatischen, mutmachenden Persönlichkeit lag.
Ich erinnere mich noch gut an die Einweihung der Stolpersteine für seine in Auschwitz ermordeten Eltern. Das war 2004 in der Skalitzerstrasse, wo Walter an der Stätte seiner Kreuzberger Kindheit die mahnenden Worte sprach „…durch Reden ist die Welt nie verändert worden, nur die Tat zählt. Tun wir jeden Tag etwas, damit diese Verbrechen der Nazis nicht wiederholt werden können.“. Das hat er im besten Sinne des Wortes gelebt, das war sein Credo, umgesetzt mit Gradlinigkeit und Glaubwürdigkeit.
Wieder haben wir einen wichtigen Zeitzeugen verloren. In der Zeit des ersten Weltkriegs geboren prägt den Heranwachsenden die politische Atmosphäre seines Elternhauses. Im Gymnasium muss er in der letzten Reihe sitzen – auf der „Judenbank“. Er lernt den Beruf eines Kunst- und Bauschlossers. 15jährig schloss er sich der SAJ an, wurde Mitglied des Bundes der deutsch-jüdischen Jugend, wo er Herbert Baum vom kommunistischen Jugendverband kennen lernt, in dessen jüdischer Widerstandsgruppe er später mitarbeitet, dann schon Mitglied der KPD.
Als 24jähriger geht er, nach dem die Gefahren der illegalen Arbeit immer größer wurden, legal nach Schweden, wo er dank seiner Ausbildung bald eine Anstellung als Kunstschlosser findet. Der Versuch, die Eltern nachzuholen, misslingt. Sie werden Opfer des Holocaust.
Schweden wurde seine zweite Heimat, dort lernt er seine Frau Ingeborg kennen, die ihm in mehr als sechs Jahrzehnten Ehe den Rücken stärkt und frei hält für seine vielen politischen Funktionen und Ehrenämter. Nach der Rückkehr 1946 ins Nachkriegsberlin widmet er sich sofort dem Neuaufbau und wird Mitglied der SED-Landesleitung, später Hauptgeschäftsführer der Berliner Handwerkskammer, Stadtrat für Versorgungswirtschaft im Magistrat, vom bürgernahen Treptower Bürgermeister war schon die Rede, dann Vorsitzender des Komitees der antifaschistischen Widerstandkämpfer Treptow, Kreisvorsitzender der DSF und nach der Wende Mitgründer des Bundes der Antifaschisten Treptows, nicht zu vergessen die 25 Jahre, in denen er als Redner Jugendweiheveranstaltungen im Bezirk bereicherte. Regelmäßig auch die Treffen mit jungen Leuten aus Schweden, denn er war Mittler zwischen den beiden Ländern und den Generationen.
Tochter Monika, die Enkel Jens, Kati und Nils sind von ihm geprägt und setzen vor allem sein antifaschistisches Erbe mit eigenem Engagement gegen Rechtsextremismus fort.
Walter, dein kämpferisches Leben war nicht umsonst, wir werden dich nicht vergessen.
Hans Erxleben
Leiter der AG AntifaschismusSprecher gegen Rechtsextremismus der Linksfraktion in der BVV Treptow-Köpenick