Wir gedenken hier an ihrem heutigen Geburtstag der standhaften Kommunistin und aufrechten Internationalistin Ursula Beurton, geborene Kuczynski, der brillanten Schriftstellerin Ruth Werner, der verschwiegenen Kundschafterin Sonja, die - was erst nach 1977 scheibchenweise publik wurde – u.a. als virtuose „Musikerin“(Funkerin) der legendären Roten Kapelle und als Kurier für den Kernphysiker Klaus Fuchs eine Rolle zur Sicherung des Weltfriedens und zum Sieg über den Hitlerfaschismus spielte, was mit höchsten sowjetischen Militärorden gewürdigt wurde. Wir würdigen vor allem eine ungewöhnliche mutige Antifaschistin, eine große Humanistin, einen aufrichtigen Menschen, eine bescheidene Frau, eine konsequente Linke.
Wenn wir uns hier an ihrem Grab versammeln, dann soll das zum Ausdruck bringen – liebe Ursula, liebe Ruth, liebe Sonja, wir haben dich nicht vergessen!
Diese Frau mit den verschiedenen Namen und Leben ist in unseren Gedanken und den Folgen ihres Wirkens präsent, dazu reicht allein schon ein Blick in die Ausleihen der Bibliotheken.
Gerade als Vertreter der Linkspartei erkläre ich hier, dass wir uns weiter der Würdigung der Lebensleistung unserer Mitgenossin stellen werden. Der Versuch der Linksfraktion in der BVV sie kurz vor ihrem 100.Geburtstag mit der Benennung einer Straße oder einem Weg in der Nähe ihres Wohnviertels in Baumschulenweg/Plänterwald zu würdigen ist vor einem Jahr an den Mehrheitsverhältnissen und dem Unwillen der anderen Fraktionen gescheitert. Es reichte nicht einmal für einen Kompromiss der SPD, eine Infotafel an oder vor ihrem Wohnhaus im Dammweg anzubringen, die auch nicht der Würdigung, sondern einer sogenannten kritischen Auseinandersetzung dienen sollte, was wir nach wie vor ablehnen. All diesen unschönen Hickhack hat Ruth nicht verdient, erst recht nicht die wüsten Beschimpfungen durch die NPD-Vertreter, die Ruth als eine „Vaterlandsverräterin“ diffamierten. Bei diesem hässlichen Geschichtsrevisionismus dreht sich einem jetzt noch alles im Magen um.
Nach dieser unwürdigen Debatte hat der Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion Philipp Wohlfeil in einem Interview mit ND erklärt, das sich Die Linke Gedanken machen wird, wie künftig dauerhaft und über den Geburtstag hinaus an Ruth erinnert werden kann, d.h. mit der Ablehnung von 2007 ist es für uns die Frage Ruth Werner nicht erledigt.
Im Vorgriff auf einen wohl erst in der nächsten Legislatur zu leistenden neuen Anlauf dazu habe ich schon mal das Schild für einen „Ruth-Werner-Platz“ mitgebracht. Ich denke, dies ist ein guter Vorschlag und eine Empfehlung an künftige Gremien einen wirklichen Platz dafür zu suchen und zu finden. Sollte dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sein gäbe es eine weitere Variante, die gut zu unserer Jubilarin passen würde – die Benennung einer Bibliothek Treptows mit ihrem Namen, schließlich hat sie in jungen Jahren die Marxistische Arbeiterbibliothek Berlin gegründet und geleitet. Das wäre doch ein schönes Geschenk zu ihrem 105.Geburtstag, wobei dies vom Willen aller Bezirksverordneten abhängig ist, denen wir eine ausgewogene Betrachtung der Zeitgeschichte dringend empfehlen können, wie dies zurecht vom Bürgerkomitee 2007 bereits gefordert wurde.
Ruth Werner ist immer noch für zukunftsträchtige Visionen gut. Und nochmal – sie ist und wird von uns, allen Linken und Antifaschisten, nicht vergessen! Versprochen, Ruth!
Hans Erxleben