Bürger sollen sich gegen zu große Belästigungen auch zur Wehr setzen können. Doch immer häufiger berichten die Medien darüber, dass gegen Kinderspielplätze, Freibäder oder Straßenfeste protestiert wird. Im Prenzlauer Berg wird neuerdings gar gegen einen Wochenmarkt zu Felde gezogen.
Auf einer Bürgerversammlung in Spindlersfeld brachten nun auch Anwohner ihre Kritik am Umzug der Jugend-Initiative Mellowpark nach dem Motto „Gern, überall, nur nicht bei uns“ zum Ausdruck. Nach langen Auseinandersetzungen war endlich ein Standort für den Mellowpark, dessen Umzug von der Friedrichshagener Straße erforderlich geworden war, gefunden. Rund 30 Jugendliche waren gekommen, um ihr Projekt den Spindlersfeldern nahezubringen. Vier Stadträte und eine Reihe von Bezirksverordneten war ebenfalls gekommen, um die Ansiedelungsentscheidungen zu vertreten.
Erörtert wurden die schwierige Flächensuche und die langwierigen Bemühungen, auch durch zähes Ringen im Abgeordnetenhaus und mit dem Liegenschaftsfonds einen Standort im Bezirk zu sichern. Doch der Verlauf der Veranstaltung zeigte ein zwiespältiges Bild. Zwar gab es kaum eine Stimme, die nicht das großartige Projekt Mellowpark befürwortete. Aber warum auf der Spindlersfeld gegenüberliegenden Spreeseite, wo schon Union und das FEZ sind?
70 Unterschriften von Bürgern, die insbesondere Lärmbelästigung fürchteten wurden übergeben. So stand im Mittelpunkt der Diskussion das jeweils eigene Ruhebedürfnis. Aussagen der bisherigen Anlieger, dass es sich mit dem Mellowpark ganz gut lebt, wurden nicht ernst genommen und sogar verlacht. Angebote des Trägers und des Bezirksamtes an die Bürgerinnen und Bürger, bei der weiteren Entwicklung der Konzeption und der Veranstaltungsplanung mitzuwirken, wurden nur zögerlich aufgenommen.
Dabei wurde deutlich, dass die selbsternannten Sprecher kein Interesse daran haben, mit dem Träger selbst, also den Jugendlichen, zu reden. Wenn überhaupt, dann nur mit einem Stadtrat. Auch die Interessen der Kinder und Jugendlichen aus dem eigenen Kiez, für die der neue Standort des Mellowparks ein gutes Angebot darstellt, spielten für die Kritiker ebenfalls keine Rolle. Diesen Kritikern kann man nur empfehlen, sich am derzeitigen Standort Friedrichshagener Straße ein eigenes Bild vom Mellowpark zu machen. So wie es viele beim Sommerfest der BVV-Fraktion DIE LINKE taten.
Ernst Welters im Blättchen