Auf der Homepage des rechtsextremen Szenetreffs „Zum Henker“ in der Brückenstraße in Niederschöneweide wird für den kommenden Samstag (14.Januar) ein Termin beworben unter dem Motto „Bombenholocaustandachtsfeier“. Mehrere gezielte Provokationen in einem Wort. Mit dem Begriff Bombenholocaust wird der Völkermord an den europäischen Juden verharmlost. Sicher nicht zufällig wird kurz vor dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27.Januar, auch verkürzt Holocaust-Gedenktag genannt, weil er am Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz begangen wird, eine solche provokative Veranstaltung zur Mobilisierung der rechten Szene angesetzt, die ja im Februar wieder europaweit zu einen Aufmarsch am Jahrestag der Bombardierung von Dresden aufruft.
Der Holocaust-Leugner David Irving sprach schon vor 20 Jahren vom „Holocaust von Dresden“. Dieser Holocaust habe an Deutschen stattgefunden, während der Holocaust an Juden in den Gaskammern wie in Auschwitz eine Erfindung sei. Deutsche Rechtsextremisten reklamieren seit längerem den „Bombenholocaust“ für Flächenbombardements auf deutsche Städte. Die NPD-Landtagsabgeordneten Gansel und Apfel (seit kurzem NPD-Vorsitzender) benutzten den Begriff 2005 bei Reden im Sächsischen Landtag. Damit wurde auch die historische Tatsache in Frage gestellt, dass der alliierte Luftkrieg eine Reaktion auf den Angriffskrieg der Nazis war. Das sogenannte Deutsche Rechtsschutzbüro machte der rechten Szene erst im März 2011 unter Berufung auf Entscheidungen von Gerichten aus 2010 Mut, den inkriminierten Begriff zu verwenden, indem es aufforderte „Wenn Strafverfahren oder Verbote wegen der Benutzung des Wortes Bombenholocaust eingeleitet werden oder verhängt werden, legen sie Rechtsmittel bis zur letzten Instanz ein.“
Das Jahrhundertverbrechen der fabrikmäßigen Judenvernichtung zu relativieren muss man als das bezeichnen, was es ist – eine politische Provokation erster Güte und ein politischer Skandal.
“Bombenholocaust“ war 2005 auf dem dritten Rang als Unwort des Jahres.2012 sollte es in die Prüfung des Verbotsverfahrens für die NPD einbezogen werden. Bislang haben die Rechtsextremen den Begriff nur als „Gedenkformel“ benutzt, jetzt wollen sie ihn noch als Grund zum Feiern nehmen, tiefer kann man nicht sinken und sich dabei selbst demaskieren. Was im Einzelnen dort im Henker passiert sollten sich die zuständigen Behörden etwas genauer anschauen!
Hans Erxleben, Bezirksverordneter Die Linke Treptow-Köpenick