Am 22. Juni vor 78 Jahren hatte gerade die Köpenicker Blutwoche begonnen, die später im Prozess gegen die SA-Täter gekennzeichnet wird als: „Beginn und Auftakt zu den dann sich über zwölf Jahre erstreckenden grausamen Verfolgungsund Vernichtungsaktionen des Hitlerfaschismus…“.
Den Opfern der Köpenicker Blutwoche ist das Denkmal mit der aufstrebenden Faust gewidmet, der Befreiung durch die Rote Armee ein Stein mit dem Namen des Platzes – 23. April. Die VVN-BdA Köpenick e.V. und die Jobwerkstatt für Mädchen sowie das Antifaschistische Bündnis Südost zeigten am 22. Juni 2011 auf diesem Platz am Leben zweier Köpenicker Familien die Schrecken von damals und die Lehren für heute auf.
Georg Kassler, Enkel des kommunistischen Reichstagsabgeordneten, schilderte, wie sich seine Familie durch Emigration in die Sowjetunion vor den Nazis retten konnte, in die Fänge Stalin’ scher Repressionen gelangte und später half, deutsche Kriegsgefangene für den Aufbau eines neuen Deutschland vorzubereiten. Er berichtete auch, wie die Kassler-Tochter Emmy die Misshandlungen ihres Partners Walter Päsler im Juni 1933 erlebte und bis an ihr Lebensende jungen Leuten und im Fernsehen davon erzählte.
Prof. Dr. Horst Bednareck und junge Antifaschisten trugen die persönlichen Schicksale anhand von Erinnerungen und Dokumenten vor, eingebettet in das große Geschehen bis zum Sieg der Roten Armee. Die Darstellung wurde von Musik untermalt und veranschaulicht durch Familien-und Original-Kriegsfotos.
Zustimmung und Beifall fand die Schlussfolgerung, alles zu tun gegen die immer aggressiver werdenden Neonazis und für ein Verbot der NPD und anderer rechtspopulistischer Ableger: „Wir können es nicht zulassen, dass die Brückenstraße in Schöneweide immer mehr in die Hand vor Nazis gerät!“
Zu den Todesopfern der Köpenicker Blutwoche gehört Anton Schmaus. Sein Vater wurde umgebracht, die Mutter misshandelt und die Familie ins Exil getrieben. Nun machten die Rechten ihre Drohungen wahr und legten Feuer am Britzer Jugendzentrum namens „Anton Schmaus“.
H.W.