Eigentlich war geplant, an dieser Stelle über erste Ergebnisse der Diskussionen in der Fluglärmkommission zu den geplanten Flugrouten zu berichten. Die Sitzung am 8.11. ging aber ohne Beschlüsse zu Ende und wurde für den 13.12.2010 erneut einberufen. Zwar nicht abgestimmt, aber trotzdem zugesagt wurde seitens der deutschen Flugsicherung, alle eingebrachten Vorschläge gleichberechtigt und fair zu prüfen. Klar wurde in der Diskussion, dass die Flugsicherung Vorschläge auch aussortiert, diese Ablehnung aber begründen muss.
Wie eigentlich zu erwarten, ging es in der ersten Sitzung der vergrößerten Kommission vor allem um Verfahrensfragen. Gleichzeitig wurden aber auch bestimmte Grundsatzpositionen deutlich. Lärmschutz der Anwohnerinnen und Anwohner muss immer Vorrang vor wirtschaftlichen Gesichtspunkten haben, die weiteren Planungen der Flugsicherung sind als transparentes Verfahren öffentlich darzustellen, und es wird zu entscheiden sein, wie die vielen Bürgerinitiativen in die Diskussionen der nächsten Monate eingebunden werden können. Da an diesem Punkt die Beratung durch den Vorsitzenden beendet wurde, ergab sich die Möglichkeit, dass Herr Dr. Fuld seine im Auftrag des Bezirksamtes Treptow-Köpenick erarbeiteten Ideen zu alternativen An- und Abflugverfahren für den Süd-Osten Berlins vorstellen konnte. Der gesamte Vorschlag, einschließlich Lärmberechnungen für den Süd- Osten, sind im Internetangebot des Bezirksamtes abrufbar. Zusammengefasst heißt es da u.a.: Es ist möglich, ein praktikables Flugroutensystem einzurichten, bei dem das Überfliegen von Besiedlungen beim Abflug weitgehend vermieden werden kann. Zentrales Element ist dabei ein scharfes Abbiegen nach Süden, frühestmöglich nach dem Start. Auch die Forderung, auf einen unabhängigen Betrieb der beiden Bahnen zu verzichten, würde durch ein besseres Management der Landungen zu weniger Belastungen als in dem Modell der Flugsicherung führen. Neu zu bewerten sind nach dem Vorschlag der Flugsicherung die Lärmbetroffenheiten in den einzelnen Überfluggebieten. Hier könnte die Flugsicherung auf die Ermittlung eines Lärmindexes zurückgreifen und somit ebenfalls Flugrouten optimieren.
Abschließend sei angemerkt, dass bei einer angestrebten Kapazität von 360.000 Flugbewegungen, das sind 83 pro Stunde, schnell klar wird, die Standortentscheidung war und ist falsch, und ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr ist im Interesse der Betroffenen unverzichtbar.
Michael Schneider, Stellvertretender Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick