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1. September 2011 Treptow-Köpenick

Mellowpark, ein Paradies für Jugendliche

Marko Tesch beim Arbeitseinsatz

Ein verwildertes Gelände liegt da zwischen Spree und der Straße An der Wuhlheide. Bäume und hochgewachsene Sträucher machen es kaum einsehbar von außen, als Haupteingang dient ein rostiges Eisentor, das von verwitterten Steinsäulen gesäumt wird. Der brüchige, von Baumwurzeln aufgeworfene Asphaltweg führt vom Eingang zu verwittert wirkenden Gebäuden in der Mitte des Geländes.

Eigentlich hatte ein Investor das Grundstück bereits gekauft, um hier „höherwertiges Wohnen“ zu verwirklichen. Im letzten Moment hatte die rot-rote Mehrheit im Abgeordnetenhaus den Deal rückabgwickelt. Heute entsteht hier der Mellowpark, der seinen früheren Standort in der Friedrichshagener Straße aufgeben musste.

Jens Werner, Projektleiter des Mellowpark, führt die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE anlässlich einer Sitzung durch die Gebäude und über das Gelände. Er erklärt die Ziele und Planungen, zeigt, wie hier Jugendarbeit funktioniert. Vielleicht fünf Prozent der früheren Nutzer hätten den Umzug nicht mitgemacht. Allerdings würden jetzt viel mehr neue Jugendliche dazukommen, zum Beispiel aus dem angrenzenden Schöneweide, aber auch die „Forum-Kids“, die bisher am Einkaufszentrum in der Bahnhofstraße anzutreffen waren.

In der Halle riecht es nach Holz und ein wenig staubig. Jugendliche sitzen auf ihren Skateboards auf den Rampen und warten darauf, dass die Besucher den Platz in dem mit hölzernen Rampen, Ecken und Kästen ausgestatteten Raum wieder freigeben. Besonders für Skateboardfahrerinnen und –fahrer ist diese Halle eingerichtet, erzählt Jens Werner.

Die Jugendlichen, die mit ihren kleinen BMX Fahrrädern ebenfalls über Rampen springen und an Kästen entlangrutschen, hätten ganz andere Anforderungen an die Gestaltung von passenden Strecken. Etwas abseits der Halle lassen sich hinter Büschen dann auch „Dirt Jumps“, aus Erde und Lehm aufgeworfene Sprungschanzen für BMX Räder, ausmachen. Im vorderen Teil der Halle haben sich die Jugendlichen provisorisch eine gemütliche Sitzecke mit Sofas und Tischen eingerichtet.

Geplant ist jedoch, diesen Teil der Halle gänzlich umzubauen und zu sanieren. Die Jugendlichen haben dann die Möglichkeit diesen Raum langfristiger zu gestalten. Weiter über das weitläufige und verwinkelte Gelände, hören die Entdeckungen nicht auf.

Kurz vor dem Bolzplatz, ein ehemaliger Fußballplatz, ist eine Halfpipestrecke aus hellem Holz aufgebaut. Sie besteht aus riesigen, 3-4 Meter hohen viertelkreisförmigen Schanzen und dazugehörigen Rampen, auf denen BMXer hin und her rasen.

Immer unwegsamer wird das Gelände zum Ende, überwuchert mit ungepflegten Sträuchern und kniehohem Gras. Nur schwer lässt sich erahnen das hier einmal Tennisplätze zu finden waren. Hier und da sind jedoch noch Wegmarkierungen und rostige und verwitterte Eisenpfosten zu finden, die einst die Netze hielten. Hier fangen die Jugendlichen gerade an, den Boden für sich nutzbar zu machen. Neben einer zerfallenen Steintreppe liegen Holzplatten, sie werden von Skateboardern zum Sprung benutzt. Eine alte Wand bietet die Möglichkeit, Bilder zu sprühen. Alle paar Tage sei die Wand vollständig umgestaltet, erzählt Werner.

Das weitläufige Gelände habe vielfältige Angebote an die Jugendlichen, selber Ideen zu entwickeln, sie umzusetzen und für deren Erhalt zu sorgen. Dies sei das Konzept des Mellowpark, so Werner.

Das verwilderte Gelände, das man entdeckt, ist also nicht ungepflegt, sondern vielmehr der ideale Ausgangspunkt eines pulsierenden Projekts für Jugendliche mit den verschiedensten Interessen. „Dass eine solche paradiesische
Fläche nicht wirtschaftlich verwertet wird, sondern für Jugend und Sport zur Verfügung steht, ist etwas ganz Besonderes“, ist sich Werner sicher.

Nicht nur warme Worte: Bei einem „Subbotnik“ griffen Mitglieder der Partei DIE LINKE selbst zu Schaufel und schwerem Gerät. An einem Sonnabend befreiten sie einen Teil des Uferbereichs von Gestrüpp und Unkraut, um diesen für die Jugendlichen nutzbar zu machen.

Joseph Rohmann