DIE LINKE.  Treptow-Köpenick 


20.05.2004 von Dirk Schröter

Doppelstrukturen abbauen - Tierpark erhalten

Die Forderung des Vorsitzenden der PDS-Jugend Berlin-Brandenburg Mark Seibert, notfalls den Tierpark zu schließen, um teure Doppelstrukturen in Berlin abzubauen, löste heftige Reaktionen aus. Die Vorwürfe reichten von "parteischädigender Forderung" bis "misslungener Profilierungsversuch". Im Allgemeinen stieß dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe. Die PDS-Jugend TK lehnt mehrheitlich die Schließung des Tierparks ab.

Was aber zunächst als Schnapsidee anmutet, birgt beim näheren Hinsehen eine richtige Feststellung. Berlin leistet sich Doppel- und Dreifachstrukturen, die sich eine Stadt in einer derartigen Haushaltssituation einfach nicht mehr leisten kann. Dabei sind die zoologischen Einrichtungen ein Beispiel unter vielen. Keine andere Stadt in Deutschland leistet sich drei Opern oder drei Universitäten. So richtig also das Anliegen, so falsch ist das gewählte Beispiel.

Wenn man von Abbau von Doppelstrukturen spricht, darf man nicht sämtliche Doppelstrukturen zur Disposition zu stellen, ohne deren Nutzen zu berücksichtigen. Nicht nur die Kosten sollten ausschlaggebend sein, sondern auch der Wert einer Struktur, wie das Beispiel des Tierparks zeigt. Der Tierpark hat zweifellos einen sozialen und pädagogischen Wert. Weiterhin kann im Tierpark aufgrund der im Vergleich zum Zoologischen Garten größeren Fläche eher eine artgerechte Haltung gewährleistet werden. Einzig die Besucherzahlen sind nicht zufrieden stellend, angesichts der hohen Eintrittspreise aber nicht verwunderlich. Eine vierköpfige Familie überlegt es sich dreimal, ob sie den Tierpark besucht, wenn sie 30 Euro Eintritt bezahlen muss. Hier hat der Zoo aufgrund seiner besseren Lage einen Vorteil gegenüber dem Tierpark und ist dabei besonders für Touristen interessant.

Beide Einrichtungen haben ihre Vorteile, beide Einrichtungen haben ihre Nachteile. Statt die Schließung einer Einrichtung zu fordern, ist es sinnvoller die Zusammenarbeit von Tierpark und Zoo zu intensivieren, um die Nachteile abzubauen und dabei die Vorteile zu erhalten. Vorstellbar ist, die Großtierhaltung im Tierpark zu konzentrieren und die Kleintierhaltung dem Zoo anzuvertrauen. Im Gegenzug kann die Fläche des Tierparks reduziert werden, um Spareffekte zu erzielen, ohne die Qualität zu senken. Die Schaffung einer Bürgerstiftung, die Kapital- und Förderbeiträge sammelt, um den staatlichen Zuschuss für den Tierpark zumindest auf das Niveau des Zoos zu senken, ist ebenfalls denkbar. Man muss Einrichtungen also nicht schließen, um Geld sparen zu können. Oft reicht es aus, Strukturen sinnvoll miteinander zu verknüpfen und aus zwei Strukturen eine Struktur entstehen zu lassen. Dadurch lassen sich Spareffekte erzielen, ohne das Angebot zu reduzieren. Wie das funktionieren kann, hat Thomas Flierl mit der Schaffung der Opernstiftung bewiesen. Ähnliche Modelle lassen sich unter anderem auf die drei Berliner Universitäten anwenden.

Die PDS muss jetzt aufpassen, dass aus der längst überfälligen Debatte um Doppelstrukturen keine Debatte um den Tierpark wird. Man läuft ansonsten Gefahr, den Abbau von Doppelstrukturen zu diskreditieren und zum Stillstand zu bringen. Hier ist die gesamte Partei gefordert, die Diskussion voranzutreiben und mit sinnvollen Beispielen zu ergänzen. Berlin kann sich den Tierpark nur leisten, wenn weniger sinnvolle Doppelstrukturen abgebaut werden.

Quelle: http://www.dielinke-treptow-koepenick.de/jugend/wir/magazin/tierpark_erhalten/